Interview aus der Zeitschrift "stadtgottes"
15 Fragen an Max Schautzer
Max Schautzer, 65, ist einer der beliebtesten Moderatoren des deutschen
Fernsehens
1. Was hat Sie in letzter Zeit gefreut?
Die mitreißende Begeisterung der Jugend für den neuen Papst
und die innige Anteilnahme der jungen Menschen am Ableben des Vorgängers.
Das beweist für mich die Sehnsucht der Jugend nach Persönlichkeiten,
nach Autorität, die getragen wird von Kompetenz und Glaubwürdigkeit.
Die Jugend sucht nach Orientierung und bewundert offensichtlich Menschen,
die für ihre Überzeugung stehen und sich nicht um jeden Preis
neuen Strömungen anpassen.
2. Bei wem möchten Sie sich bedanken?
Bei meinem Schutzengel, den ich schon allzu oft strapaziert habe. Er stand
mir bei einem Autounfall mit Überschlag, einem Reifenplatzer bei
180 km/h, einem Treppensturz mit Schulterluxation und sechs gebrochene
Rippen, bei einigen spektakulären Sportunfällen u. a. m. Mein
Bedarf ist wirklich gedeckt.
3. Wer ist Ihr Vorbild? Und warum?
Ein bestimmtes Vorbild habe ich nicht. Ich möchte kein Abbild sein,
vielmehr meine individuellen Fähigkeiten und Eigenschaften herausbilden
und in die Gesellschaft einbringen. Im Laufe meines Lebens bin ich natürlich
vielen Mensche begegnet, die ich bewunderte und von denen ich auch viel
gelernt habe. In meiner Jugend waren die Jesuiten prägend. Pater
Leppich lernte ich persönlich kennen und schätzen. Später
in Wien war ich von großen Schauspielerpersönlichkeiten am
Burgtheater und am Theater in der Josefstadt begeistert. Beim Fernsehen
war Hans Rosenthal mein Mentor. Mit ihm arbeitete ich im Radio zusammen.
Er überredete mich, zur Unterhaltung zu wechseln und schlug mich
für die große ARD-Samstagabend-Städtequizshow „Allein
gegen alle“ als Moderator vor. Das war gleich mein Durchbruch im
Fernsehen, den ich Hans zu verdanken habe.
4. Was bedeutet für Sie Liebe?
Liebe ist der Atem des Lebens. Ohne Liebe wäre die Menschheit längst
ausgestorben. Nächstenliebe ist die Voraussetzung für jede funktionierende
Gemeinschaft. Ohne Liebe glückt auch keine Partnerschaft. Trotzdem
wird das letzte Geheimnis der Liebe uns immer ein Rätsel bleiben.
5. Was macht Sie glücklich?
Glück ist rückbezüglich betrachtet wiederum ohne Liebe
auch nicht möglich. Wer nicht zur Liebe fähig ist, kann auch
nicht glücklich sein. Wenn man seinen Mitmenschen herzlich, freundlich
und offen begegnet, schafft man sich selbst und dem Anderen glückliche
Momente. Ein Lächeln verändert jeden Menschen. Glück kann
man nicht kaufen, heißt es. Aber Zuneigung, Interesse für Menschen
und Herzlichkeit kosten nichts und bringen so viel. Wir alle könnten
uns viel glücklicher fühlen.
6. Was macht Sie sprachlos?
Das unfassbare Leid von Opfern der Kriege, Terroranschläge und Katastrophen
auf dieser Welt.
7. Welche Eigenschaft schätzen Sie an anderen besonders?
All die Eigenschaften, die in der heutigen Zeit leider aus der Mode gekommen
sind: Höflichkeit, Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Zuverlässigkeit,
Disziplin, Treue, Freundschaft, Brüderlichkeit ...
8. Worauf möchten Sie täglich nicht verzichten?
Auf ein gemütliches Frühstück mit meiner Frau nach der
morgendlichen Lektüre der Tageszeitung.
9. Schenken Sie uns eine Lebensweisheit.
Carpe diem, aber denke auch an morgen!
10. Glaube kann Berge versetzen, heißt es. Wann haben Sie
das schon einmal erlebt?
Ich lebe im katholischen Köln. Und hier gibt es einen schönen
Brauch, wenn man sich vom lieben Gott oder der Mutter Gottes etwas erwünscht.
Man stellt in der Kirche eine Kerze auf. Das wird manchmal übertrieben,
wenn Fußballfans des 1. FC Köln um einen Sieg bitten. Aber
auch ich habe schon so manche Kerze geopfert. Und es hat nicht immer,
aber sehr oft geholfen. Man muss halt dran glauben.
11. Ihre Lieblingsgeschichte in der Bibel? Und warum?
Habe ich nicht. Der Vorteil der Bibel ist ja, dass es für jede Situation,
für jedes Leid, für jeden Zweifel eine Antwort gibt, meist in
Form eines Gleichnisses. Es ist eben nicht 1001 Nacht, auch kein Märchenbuch
der Gebrüder Grimm, sondern die Bibel.
12. Welchen Sinn hat für Sie das Leben?
Ich könnte es mir sehr einfach machen und mit Thornton Wilder sagen:
Das Leben hat keinen Sinn außer dem, den wir ihm geben.
Da ich meine Grundbedürfnisse erfüllt haben, kann ich mir aussuchen,
welchen Sinn ich meinem Leben gebe. Ich habe mich für Mitmenschlichkeit
und soziales Engagement entschieden. Das möchte ich in die Gesellschaft
einbringen. Außerdem gibt es mir sehr viel, mich mit Philosophie
und Religion zu beschäftigen, denn es haben schon sehr viele weise
Menschen über den Sinn des Lebens nachgedacht. Sie sind allerdings
alle zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen.
13. Wenn es in Ihrer Macht stünde - welchen Missstand
in der Welt würden Sie gerne ändern?
Ich würde die bedeutendsten Religionsführer des Morgen- und
Abendlandes an einen Tisch zwingen und so lange diskutieren lassen, bis
sie einen Weg gefunden haben, den schrecklichen Terrorismus im Zeichen
eines fehlgeleiteten Glaubens zu beenden.
14. Welchen Traum möchten Sie sich noch erfüllen?
Das verrate ich nicht, weil ich eine Kerze aufstellen möchte, wenn
es um die Realisierung geht. Träume scheuen das Tageslicht. Warum
soll man sie verraten?
15. Wenn Ihnen am Lebensende noch eine Stunde geschenkt würde,
wie würden Sie diese verbringen?
Ich würde Bilanz ziehen über mein Leben. Was steht am Ende auf
der Soll- und auf der Habenseite? Ich würde beten und mich auf einen
würdigen Abschied aus dieser Welt vorbereiten. Ich bin nämlich
sicher, dass es ein Weiterleben nach dem Tod gibt.
16. Was gefällt Ihnen an der „stadtgottes“?
Die Zeitschrift vermittelt das, was der Titel nicht unbedingt verspricht:
Menschlichkeit.
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