Pressemitteilung
Mein Gott, Alter
KNITZ hatte sich die Sache clever ausgedacht. Er würde dem Max Schautzer
sagen, dass man ihm seine 66 Jahre nicht ansieht - und schon wäre
man bei dem Thema, zu dem der TV-Moderator gern als Experte befragt wird,
seit ihm die ARD altershalber die Sendung "Immer wieder sonntags"
weggenommen hat und Schautzer das nicht stillschweigend hinnahm: Schon
wäre man beim Thema Alter und Jugendwahn.
Schön ausgedacht. Aber dann kommt der Max dem KNITZ zuvor. Es redet
über die Freundschaft, die ihn mit dem Schauspielerkollegen Dietz-Werner
Steck verbindet, mit dem er derzeit in Neil Simons Boulevardstück
"Sonny Boys" in der Komödie im Marquardt auf der Bühne
steht. Und darüber, dass die Zusammenarbeit prächtig und die
Stimmung hinter den Kulissen gelöst sei.
Aber so gehe es am Theater nicht immer zu, sagt Schautzer. Kollegen, die
nicht in der ersten Reihe stünden, würden häufig von Existenzängsten
geplagt. Schauspielerinnen jenseits der 35 erzählten, dass sie kaum
noch zu Castings eingeladen würden.
Schon sind wir mittendrin in dem Thema, zu dem Schautzer vor allem Fragen
einfallen. Etwa diese: Warum sind 60-Jährige für die werbetreibende
Wirtschaft nicht mehr interessant? "Vielleicht", meint Schautzer,
"liegt es daran, dass in den Werbeagenturen nur noch 30-Jährige
sitzen." Und er erzählt von TV-Machern, die Volksmusiksendungen
für die ältere Generation produzieren, und dabei ganz vergessen,
dass so manch" angehender Rentner mit Elvis und den Beatles aufwuchs.
Aber Max Schautzer hat nicht nur zum Alter etwas zu sagen. Ihn treiben
gesellschaftliche Veränderungen jeder Art um. Mit Elan und Sachkenntnis
spricht er über die Abwanderung von qualifizierten Leuten ins Ausland.
Max Schautzer gehört zu jener angenehmen Sorte von Zeitgenossen,
die über ernste Themen reden können, sich dabei aber nicht in
Weltschmerz verlieren. Schautzer lächelt viel, wenn er spricht. Es
ist das sympathische Lächeln, das KNITZ von dem Schautzer hinter
der Mattscheibe kennt. Vielleicht war der Mann deshalb so erfolgreich,
denkt KNITZ, weil er sich nicht groß verbiegen musste.
Max Schautzer gab sich nie mit der Rolle des Präsentators zufrieden.
Deshalb war es für ihn selbstverständlich, bei der Inszenierung
der "Sonny Boys" mitzumischen. Das Stück über zwei
alte Komödianten habe etliche Jahre auf dem Buckel, sagt Schautzer,
da könne man nicht alles eins zu eins übernehmen.
Auch bei dem neuen TV-Kanal, der in gut einem halben Jahr auf Sendung
gehen soll, wird Schautzer nicht nur Aushängeschild sein, sondern
ein Wörtchen mitreden. Was bisher als "Senioren-TV" durch
die Medien geistert, verstehe sich als "Sender für die zweite
Lebenshälfte". Und wann die beginnt, mag jeder für sich
selbst entscheiden.
Wer mit so einem alten TV-Hasen spricht, merkt schnell, dass die Zunahme
der Lebensjahre einen Vorteil hat: Schautzer hat prima Geschichten zu
erzählen, etwa die, wie ihn der Hans Rosenthal in die Grundzüge
des Show-Geschäfts eingeweiht hat. "Gib" nie ein Autogramm,
ohne etwas dazu zu schreiben." Sonst könne es passieren, dass
man einen Schuldschein abzeichnet - und hinterher ziemlich alt ausschaut.
Quelle: Stuttgarter
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